Die Produktion

Manche Dinge scheinen uns so klar, dass wir jedesmal erstaunen, wenn sie sich einem anderen als Novum darstellen. Für Angelica Fleer und Richard Schönherz ist es der Moment, wenn sie über das innerste Prinzip ihrer Arbeit sprechen. Für viele noch immer ein Geheimnis.

Die Länge der Verse, die Wortschöpfungen, die Interpunktion? Was auch immer die Künstler beim Rezitieren des Dichters Rilke beeinflusst – die Musik ist es nicht. Beinahe alle Gedichte der nunmehr vier Rilke Projekte sprachen die Interpreten “trocken” ein. “Wir wollen, dass die Künstler die Gedichte so emotional interpretieren, wie sie sie empfinden, ohne von der Musik beeinflusst zu werden”, sagen die beiden Komponisten. Erst im nächsten Schritt beginnen sie, Sprache und Musik miteinander zu verweben.

Die musikalischen Skizzen, die bis zu diesem Moment nur Richard und Angelica kennen, passen sich der Sprache an: Die Stücke werden schneller oder langsamer; hier ändert sich die Tonhöhe, dort die Tonart. “Du musst dich entscheiden”, sagt Angelica, “willst du es in kleiner Besetzung oder mit Orchester?”

Als Anhaltspunkt dient ihnen immer wieder die Sprache. “Wenn ich Menschen sprechen höre, sind Melodien in meinem Kopf”, sagt Richard. Das war nicht immer so. Das Rilke Projekt hat ihn verändert: “Damals, 1997 in Kalifornien, habe ich diese Melodien nicht gehört – mittlerweile geschieht das ganz unabsichtlich.”

Die Wahl der Sprecher hingegen ist wohl überlegt. Ganz bewusst wählen Richard und Angelica die Gedichte aus, die zu den Künstlern passen – und umgekehrt. “Wir versuchen im Vorfeld so viel wie möglich über den Menschen zu erfahren.” Dazu lesen, schauen und hören sie in Portraits, Biografien und Interviews und recherchieren nicht weniger intensiv als zu Rilkes Werken.

So kann es passieren, dass den beiden ein Gedicht zwar gefällt, sich aber partout kein Sprecher findet. Dann wartet es mitunter monatelang auf “den Richtigen”. Bis auf einmal ein Tim Fischer am Horizont erscheint und sich der Eingang selbstbewusst an seine Seite stellt, als ob nie der geringste Zweifel bestanden hätte, dass diese beiden zusammen gehören.

Und während sich dort noch Sprecher und Gesprochenes auf einander abstimmen, wird anderswo schon wieder Musik eingespielt. Nicht wenige Produktionsabschnitte entstanden so am anderen Ende der Welt: Salif Keita in Mali, Patricia Kaas in Südfrankreich oder Hardy Krüger in Palm Springs.

So ist das Rilke Projekt selbst ein Weltenweiter Wandrer.

Die Produktion