Seit fast 10 Jahren hält Xavier das Mikro in der Hand und gesungen hat er bereits schon mit 3 Jahren. Seine Heimatstadt Mannheim, wo er geboren wurde, gilt nicht unbedingt als Ort für eine schnelle Karriere. Xavier erbte von seinen Eltern Durchsetzungskraft und Selbstbewußtsein. Bis zur Mittleren Reife drückte Xavier die Schulbank, versuchte sich während der Lehre und des Zivildienst als Rapper. Die ersten echten Karrierestarts unternahm er aber im fernen Amerika. Dort absolvierte Naidoo die harte Probezeit mit scheinheiligen Produzenten, unseriösen Firmen und lausigen Verträge. Aber Xavier kehrte in die Alte Welt zurück, um zielstrebig an eigenen Texten und Performance zu arbeiten. In dieser Zeit verdiente er sein Geld mit Werbejingles. Xavier Naidoos Debütalbum ”Nicht von dieser Welt” erschien im Früjahr 98. Die erste Single ”20.000 Meilen über dem Meer” erschien im April.
Das mag man vielleicht noch unter 'reiner Dienstleistung' verbuchen. Aber Xavier Naidoo (gesprochen wie das englische Wort ”saviour”=”der Retter”) geht es um mehr: Zuallererst heißt das Mal Musik mit Seele, nix da mit romantischen Vorstellungen von brennenden Ölfässern und grandiosen Kirchenchören. Auch wenn letzteres Xavier nicht fremd ist. Doch er sang ”eigentlich einfach schon immer”. Ob beim Dreikönigssingen, im Schulchor, als Messdiener, nachts allein zu Kate Bush-Platten oder eben zu Herbert Grönemeyer. Äh... wie bitte: Grö-ne-mey-er? Sündenfall in R&B-Deutschland, cleverer Marketingschachzug oder einfach nur das Puffy-Prinzip auf hiesige Verhältnisse übertragen und auf die Spitze getrieben?
Immer langsam, da draußen, seien wir doch mal ehrlich. Die großartigen opulenten Soul- und Funkplattensammlungen waren nur den wenigsten von uns als Soundtrack der Kindertage vergönnt. Und warum sollte das ausgerechnet im Mannheim-Wallstadt der '70/'80er anders gewesen sein? Trotz seiner südafrikanischen Mutter und dem indisch-britisch-südafrikanischen Vater liefen auch bei Xaviers Gehversuchen als Lego-Architekt oder Nachwuchs-Mario Andretti (Autofahren ist übrigens auch heute noch eine von seinen großen Leidenschaften. Jus' cruisin', schauen, genießen) eher Reinhard May oder Peter Maffay über die Wohnzimmer-Stereoanlage.
Angesichts der Welten, die da aufeinanderprallen, kommt dem Umgang mit der deutschen Sprache eine ganz besondere Bedeutung zu. Mit möglichst einfachen Worten, Gefühlen und Träumen abseits des alltäglichen Trotts zu illustrieren, scheint nicht einfach. Denn gerade diese vermeintlich einfachen Vokabeln sind es meist, die - da oft schon anderweitig besetzt - als klar verstanden geglaubte Gedanken plötzlich in ganz andere Zusammenhänge überführen können und dadurch schnell in eine Ebene gelangen, die so 'deutlich' nur selten in durchaus charttauglicher deutscher Musik angerissen wird.
Doch wie gesagt: hier geht es um Soulmusik.
Auch wenn einiges mystisch beladen scheint, und sich manche Bedeutung erst sehr langsam erschließen mag, spürt der Hörer sofort: hier breitet jemand den Schmerz seiner Seele auf dem silbernen Tablett vor sich aus. Es liegt an Dir zuzugreifen.
Xaviers Stimme versucht dazu, ”zum Instrument zu werden”, so daß alles, was vom Gefühlsspektrum in diesen Momenten angesprochen wird, auch zum Ausdruck kommt, hinausbricht. Selbst wenn er manchmal versucht, mit weniger Koloraturen auszukommen, findet seine begnadete Kopfstimme (siehe auch D'Angelo oder die großen Sängertruppen des Funk und Souls der 70er) immer durch Hintertüren Einlaß in Räume der Arrangements, die erst von seiner Stimme zu Leben erweckt werden. Ganz in diesem Sinne setzt das bewährte Produktionsgespann Pelham/ Haas auch eher auf Zurückhaltung. Aktuelle Einflüsse - siehe Crowdrocker No.1 Timbaland - werden verarbeitet, aber stets im Sinne der schon bei ”der neuen S-Klasse” eingeschlagenen Marschrichtung: Statt puren Samples heißt das lieber mal etwas zu programmieren, um so die eigenen Akzente besser betonen zu können.
Doch vergeßt dabei nicht : ”...in Mannheim lebt ein Mann, der macht Musik aus unseren Träumen. - Seid Ihr mit mir? Seid Ihr bereit für die Stimme Mannheims Sohns?”